Ich sage Euch: Was macht man nicht alles für seine Follower! Ich habe mich in den letzten Wochen für euch durch 13 Jahrzehnte menschlichen Textil-Wahnsinns gequält, meine Plüsch-Organe in mörderische Korsetts gequetscht, in knisterndem Y2K-Techno-Vinyl geschwitzt und mir Schulterpolster verpassen lassen, mit denen ich in keinem Sessel der Welt mehr Platz hatte. Nach dieser modischen Odyssee bin ich zu dem unerschütterlichen Schluss gekommen: Es ist am besten, wie es ist. Kein Modedrama der Welt schlägt meine lässigen Jeans und den gemütlichen Lieblingshoodie – denn echte Eleganz braucht eben keine Schulterpolster, sondern einfach nur Charakter.
1900er: Belle Époque Eleganz

Sich die Organe für eine S-Kurve zu zerquetschen, galt damals als absolute Spitzenklasse. Ein riesiger Federhut auf dem Kopf sorgt dafür, dass man im Ohrensessel wenigstens nicht umkippt.
1910er: Vorkriegs-Suffragetten-Stil

Endlich weg mit dem Korsett, dafür her mit dem Humpelrock – weil Vorwärtskommen ohnehin völlig überbewertet wird. Wer etwas auf sich hält, protestiert im strengen Zwirn auf dem Tisch gegen das Patriarchat.
1920er: Goldenen Zwanziger Flapper

Der Bubikopf sitzt, die Taille rutscht nach unten und die Fransen fliegen beim Tanzen auf dem Sofa. Hauptsache, das Paillettenkleid funkelt heller als die eigene Zukunft vor dem Börsenkrach.
1930er: Hollywood-Glamour

Nach der Wirtschaftskrise feierte Hollywood den eleganten Rückenausschnitt in fließendem Satin. Wer braucht schon lange Beine, wenn man mit einem Kunstpelz-Schal im Scheinwerferlicht des Foyers stehen kann?
1940er: Utilitaristischer Kriegs-Stil

Kriegsbedingt war die Jacke praktisch, quadratisch und aus kratziger Wolle – da ist man froh über jedes bisschen Fell, das den Ausschnitt wärmt. Zum Glück erfand Dior danach den weiten Tellerrock, um den grauen Alltag wegzuschwingen.
1950er: Rockabilly & New Look

Petticoats und Rockabilly-Schleifen brachten das Wirtschaftswunder ins Rollen, während die Jugend in Lederjacken rebellierte. Im Diner wird der Rock so drapiert, dass die kurzen Stummelbeinchen optisch perfekt kaschiert werden.
1960er: Space Age & Minirock

Mary Quant schnitt die Röcke ultrabrutal kurz und das Space Age brachte uns weißen Vinyl-Zukunftsschock auf Plastikstühlen. Hauptsache, die geometrischen Schnitte lenken nicht von den kugelrunden Bärenohren ab.
1970er: Hippie-Vibe

Wildlederfransen, Paisley-Muster und getönte Riesengläser – die Hippies machten Gemütlichkeit zum Gesetz. Wenn die Weste offen steht, atmet das Fell im Takt der Disco-Musik auf dem Flohmärkt-Tisch.
1980er: Power Dressing & Neon

Schulterpolster so breit wie eine Schrankwand und Neonpink, das in den Augen brennt – das war das wahre Power Dressing im Chefsesel. Je mehr Haarspray in der Dauerwelle (oder im Plüsch), desto näher war man den Popstars.
1990er: Grunge & Flanell

Zerrissene Jeans, Holzfällerhemd und eine schepp sitzende Basecap waren die offizielle Verweigerung gegen jeden Glamour. Wer im urbanen Hinterhof cool aussehen will, trägt das Flanellhemd natürlich sperrangelweit offen.
2000er (Y2K): Tech-Futurismus

Bauchfrei, Hüfthosen des Grauens und eine getönte Brille ohne Rand feierten den Y2K-Techno-Wahn. Da glänzt das Techno-Top auf dem Sitzkissen fast so schön wie die schweißtreibenden Jugendsünden von damals.
2010er: Athleisure & Instagram-Stil

Als die Jogginghose plötzlich „Athleisure“ hieß, durfte man endlich im Sport-Outfit auf den Marmortisch steigen. Klobige Sneaker und eine Beanie-Mütze machten den Hipster-Look im Loft perfekt – Instagram-Filter drüber, fertig.
2020er: Comfort First & Nachhaltigkeit

Nach monatelangem Homeoffice auf dem XL-Wollkissen gilt nur noch eine Regel: Comfort First im Oversize-Look. Mit einer Blaulichtfilter-Brille sieht man beim Chillen wenigstens so aus, als würde man gleich die Weltherrschaft übernehmen.
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